Wir lesen regelmäßig für Sie und halten die Ohren auf: Hier fassen wir für Sie Publikationen, Artikel und Meinungen aus der medizinischen Medienwelt zusammen. Alles, was wichtig ist, neugierig oder nachdenklich macht – rund um die Themen Gesundheit, Medizinforschung, Labordiagnostik und Therapeutik.

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Impfstoffkandidat: Infektionsschutz vor Epstein-Barr-Virus

Das Herpesvirus Epstein-Barr-Virus (EBV) ist bei der Primärinfektion Verursacher des Pfeifferschen Drüsenfiebers, kann lymphoproliferative Erkrankungen auslösen (Morbus Hodgkin) und persistiert nach Infektion lebenslang im Organismus. Mehr als 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung weltweit sind damit infiziert. EBV wird seit Jahren auch als mitursächlich oder fördernd für komplexe multisymptomatische Krankheitsbilder wie Chronic Fatigue Syndrom oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose diskutiert. Eine aktuelle Studie aus den USA hat nun einen Zusammenhang zwischen dem EBV-Virus und der Entstehung von Multipler Sklerose noch wahrscheinlicher gemacht.

Prof. Wolfgang Hammerschmidt von Helmholtz Munich und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) räumt ein: „Die Studie macht es sehr wahrscheinlich, dass eine EBV-Infektion Voraussetzung für Multiple Sklerose ist; das heißt aber noch nicht, dass es die Ursache ist.“ Doch kann man davon ausgehen, so Hammerschmidt, dass ein Impfstoff gegen EBV überaus bedeutsam ist im Hinblick auf Krankheiten wie das Pfeiffersche Drüsenfieber, das mit EBV assoziierte Hodgkin Lymphom und eben möglicherweise auch die Multiple Sklerose. Eine erste Testphase des Impfstoffes ist für 2023 geplant. Damit wäre idealerweise der Risikofaktor für weitere neurodegenerativen Autoimmunerkrankungen gemindert.

Quellen:

  • Deutsches Zentrum für Infektionsforschung, Epstein-Barr-Virus: DZIF und Helmholtz Munich entwickeln einen Impfstoff, Pressemitteilung vom 24. Januar 2022
  • Originalpuplikation: Kjetil Bjornevik et al.; Longitudinal analysis reveals high prevalence of Epstein-Barr virus associated with multiple sclerosis; Science 375, 2022, DOI: 10.1126/science.abj8222

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Pathologische Folgen von Long-COVID beleuchtet

Ein beträchtlicher Teil der Patienten mit COVID-19 zeigt Rest-Symptome nach der akuten Infektion. Bei einer Untergruppe dieser Personen können die Symptome über 12 Wochen nach Ausbruch der Krankheit fortbestehen. Diese werden als Post-COVID-19-Syndrom klassifiziert. Die klinische Symptomatik umfasst Müdigkeit, Unwohlsein, Dyspnoe, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie eine Vielzahl neuropsychiatrischer Syndrome als Hauptmanifestationen. Es können mehrere Organsysteme betroffen sein. Die zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen sind derzeit nur unzureichend bekannt. Der nun aktuell erschienene Übersichtsartikel von Saurabh Mehandru und Miriam Merad in Nature Immunology beschreibt organspezifische Folgeerscheinungen von Post-COVID-19-Syndromen und untersucht die zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen. Dabei wird auf anhaltende Entzündungen, induzierte Autoimmunität und mutmaßliche virale Reservoirs eingegangen. Zugleich werden diagnostische Strategien erörtert.

Quelle:

  • Mehandru, S., Merad, M. Pathological sequelae of long-haul COVID. Nat Immunol 23, 194–202 (2022)

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Nocebo-Effekt bei Impfnebenwirkungen

Leichte Impfnebenwirkungen entstehen oft aufgrund der Erwartung von bekannten Reaktionen auf den Impfstoff, dem sogenannten Nocebo-Effekt. Die Gründe sich nicht impfen zu lassen sind, wie wir wissen, vielfältig und komplex. Allerdings scheinen Bedenken, potenzielle unerwünschte Ereignisse der COVID-19-Impfstoffe bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle zu spielen.

Untersuchungen bezüglich Influenzaimpfungen haben gezeigt, dass Nebenwirkungen oft in erheblichem Maße durch Placebo ausgelöst werden können. Diese werden als Nocebo-Reaktionen bezeichnet. Sie werden häufig durch eine ängstliche Erwartungshaltung bzw. oft vorkommende bekannte Symptome ausgelöst. Solche Reaktionen wurden bisher vor allem bei der Einnahme von Medikamenten nachgewiesen. Untersuchungen der Nocebo-Wirkung nach Impfungen sind dagegen eher rar.

Eine kürzlich durchgeführte Metaanalyse, die die Nebenwirkungen nach Grippeimpfung untersucht hat, zeigte einen signifikanten Anteil an systemischen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Müdigkeit aufgrund von Nocebo-Reaktionen. In der vorliegenden Metaanalyse zu den Impfnebenwirkungen durch Corona-Impfstoffe kamen die Wissenschaftler zu ähnlichen Ergebnissen. Nach der ersten Impfung traten Müdigkeit und Kopfschmerzen in der Placebogruppe fast ebenso häufig wie in der Verumgruppe auf. Nach Berechnungen lassen sich 76 % der Nebenwirkungen auf diesen Nocebo-Effekt zurückführen. Nach der zweiten Impfdosis war dieser Effekt wesentlich schwächer zu beobachten und liegt nurmehr bei 50 %. Schwere Impfnebenwirkungen wurden in dieser Analyse nicht untersucht. Doch könnte, so die Autoren, vielleicht eine Aufklärung der Bevölkerung über den Nocebo-Effekt helfen, die Scheu vor der Impfung zu verringern.

Quelle:

  • Julia W. Haas, PhD et. al; Frequency of Adverse Events in the Placebo Arms of COVID-19 Vaccine Trials – A Systematic Review and Meta-analysis, JAMA Network Open. 2022;5(1): e2143955; doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.43955

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Auswirkungen der Pandemiesituation auf die Psyche

Eine Studie, die in Bayern und Niedersachsen zwischen dem 8. April und dem 1. Juni 2020 durchgeführt wurde, legt offen, welche Auswirkungen COVID-19 auf die Psyche hat.
Die aufgrund der Pandemie zeitweilig starken persönlichen Bewegungseinschränkungen führten zwangsläufig zu sozialer Isolation. Beides dürfte verantwortlich für einen Anstieg des Stressresponses und auch für eine erhöhte Mortalitätsrate sein. Metaanalysen zeigen in dieser Zeit einen Anstieg der Mortalitätsrate bei Alleinlebenden um 32 %, bei Einsamkeit um 26 % und bei sozialer Isolation um 29 %.

Wirtschaftliche Folgen der Pandemie beeinflussen ebenfalls stark die Psyche, so zum Beispiel die geringere Beschäftigungssicherheit, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und somit der ökonomischen Sicherheit. Deswegen wundert es nicht, dass psychische Störungen seit Beginn der Pandemie gestiegen sind. Beobachtungen in China, Italien, Österreich und der Türkei zeigen, dass vor allem generalisierte Angststörungen, Depressionen und allgemein Disstress dazu gehören.

In der vorliegenden Studie bestätigte sich die gestiegene Häufigkeit depressiver Symptome. Des Weiteren wurde ein Anstieg von Ess-und Zwangsstörungen beobachtet. Während die Höhe der Restriktionen kaum Einfluss auf die psychische Gesundheit hatte, betreffen die genannten Störungen im Vergleich etwas mehr Frauen und Jugendliche.

Lesen Sie dazu auch: Schelhorn I et al. (2021) Psychological Burden During the COVID-19 Pandemic in Germany. Front. Psychol. 12:640518. doi: 10.3389/fpsyg.2021.640518

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Bidirektional: Darmdysbiose bei COVID-19 Patienten

Im Laufe der Pandemie wurde offensichtlich, dass bei einem Teil der COVID-19-Patienten relativ häufig gastrointestinale Komplikationen zusammen mit dem Verlust kommensaler Darmbakterien, die das Eindringen und die Besiedlung pathogener Mikroben verhindern, einhergehen. Eine interessante Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern hat nun kürzlich gezeigt, dass das Darmmikrobiom direkt vom schweren akuten respiratorischen Syndrom durch SARS-CoV-2 betroffen ist. Eine solche virusvermittelte Darmmikrobiom-Dysbiose kann schwere Sekundärinfektionen bei Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion verursachen.

Des Weiteren wurde untersucht, ob eine SARS-CoV-2-Infektion, unabhängig von Krankenhauseinweisungsstatus und Behandlungsstrategie, direkt zu einer Darmdysbiose führen kann. Dabei fand man heraus, dass eine SARS-CoV-2-Infektion tatsächlich ein Ungleichgewicht zwischen nützlicher und pathogener bakterieller Besiedelung im Darm hervorruft. Es kam zu einer deutlichen Reduktion obligat anaerober Mikroorganismen und einer Reduktion der Alpha-Diversität. Auffällig war, dass kommensale Bakterien der Gattung Faecalibacterium negativ korrelieren mit einer systemischen Sekundärinfektion. Eine Reduktion von Faecalibacterium geht mit einer gestörten Barrierefunktion einher. Über den Nachweis der dadurch erleichterten Translokation verschiedener Bakterien in den Blutkreislauf wird ein virusinduzierter Verlust der Integrität der Darmbarriere vermutet. Auch wies man nach, dass COVID-19-Patienten, die mit Breitbandantibiotika behandelt werden, ein deutlich höheres Risiko für Sekundärinfektionen durch multiresistente Bakterien haben, was wiederum mit einer fast 2-fach höheren Sterblichkeit durch septischen Schock verbunden ist.

Nachzulesen: Die Studie ist derzeit auf dem bioRxiv Preprint-Server verfügbar.

Venzon M. et al. (2021).Gut microbiome dysbiosis during COVID-19 is associated with increased risk for bacteremia and microbial translocation. bioRxiv.

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Vielversprechend: Neues Medikament gegen COVID-19

An Medikamenten, die gegen COVID-19 eingesetzt werden und die vor allem einen schweren Krankheitsverlauf verhindern können, wird mit Nachdruck geforscht. Da Studien den Zusammenhang zwischen hohen SARS-CoV-2 nasopharyngealen RNA-Mengen und der Hospitalisierungsrate sowie der Infektiosität und Übertragungsrate gezeigt haben, sollte das gesuchte Medikament in erster Linie das Eindringen und die Vermehrung des Virus verhindern, um die Übertragungsrate möglichst stark zu reduzieren.

Molnupiravir gilt als besonders vielversprechendes Medikament, da es oral eingenommen werden kann und nicht intravenös verabreicht werden muss, wie etwa das bereits zugelassene antivirale Medikament Remdesivir. Molnupiravir wirkt, indem es die virale Vermehrung stört und sich – einmal eingenommen – in virusähnliche Bausteine umwandelt. Diese werden vom Virus aufgenommen und mittels einer RNA-Polymerase in das eigene Erbgut eingebaut. Durch die dadurch erzeugte fehlerhafte Replikation des viralen Erbgutes kann sich kein funktionsfähiges Virus mehr entwickeln und die Infektiosität sinkt.

Vor zwei Wochen hatte die US-Firma Merck & Co (MSD) bereits eine Notfallzulassung in den USA beantragt. Auch die europäische Arzneimittel-Agentur EMA prüft bereits die Zulassung. Anfang Oktober hatten das Unternehmen und sein Partner Ergebnisse eine Studie (Phase III) veröffentlicht, der zufolge Molnupiravir bei infizierten Patienten das Risiko einer Krankenhauseinlieferung oder eines tödlichen Krankheitsverlaufes halbiert. Demnach wurden während einer klinischen Phase-3-Studie 7,3 Prozent der 385 Patienten mit leichten oder mittleren Covid-19-Symptomen, die Molnupiravir erhielten, ins Krankenhaus eingeliefert. Es gab keinen Todesfall. In der Placebo-Versuchsgruppe mit 377 Patienten kam es in 14,1 Prozent der Fälle zu einer Krankenhauseinlieferung. Acht Patienten starben.

Molnupiravir ist also das erste orale, direkt wirkende antivirale Mittel, das das nasopharyngeale-infektiöse SARS-CoV-2 Virus und die Bildung viraler RNA effektiv reduziert. Molnupiravir ist gut verträglich ist. Laut Herstellerangaben halbiert Molnupiravir das Risiko für einen schweren Verlauf.

Quellen:
Painter WP et al. Human Safety, Tolerability, and Pharmacokinetics of Molnupiravir, a Novel Broad-Spectrum Oral Antiviral Agent with Activity against SARS-CoV-2. Antimicrob Agents Chemother 65: e02428-20.

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Herdenimmunität unerreichbar?

Fünf Gründe, warum eine Herdenimmunität wohl unmöglich erreicht werden kann
Selbst wenn man das Impfprogramm vollumfänglich durchführte, erscheint die Schwelle, die nötig ist, um die Pandemie zu überwinden, unerreichbar zu sein. Diese Schwelle wäre nur mit hohen Impfraten zu durchbrechen. Viele Wissenschaftler glaubten, dass die Herdenimmunität es erlaubt, wieder gesellschaftlich ein normales Leben zu führen, sobald die Menschen schnell und zu 60-70 % geimpft werden oder die Erkrankung durchgemacht haben.
 
Im Februar änderte der Wissenschaftler Youyang Gu den Namen seines COVID-19-Prognosemodells von „Pfad zur Herdenimmunität“ in „Pfad zur Normalität“ um. Er sagte, dass wegen der Verzögerungen bei der Impfstoffbereitstellung, durch neue Virusvarianten und wegen der verzögerten VImpfung von Kindern das Erreichen einer Herdenimmunitätsschwelle unwahrscheinlich sei. Zu den langfristigen Aussichten für diese Pandemie gehört wahrscheinlich, dass COVID-19 zu einer „endemischen Krankheit“ wird, ähnlich wie Influenza.

  • Es ist weiterhin unklar, obwohl die Datenlage gut aussieht, inwieweit Impfstoffe die Übertragung verhindern. Denn der Schlüssel zur Herdenimmunität besteht darin, dass selbst wenn eine Person infiziert wird, zu wenige anfällige Wirte vorhanden sind, die die Übertragung aufrechterhalten.
  • Die Einführung des Impfstoffs ist weltweit sehr ungleichmäßig. Dabei sind Geschwindigkeit und Verteilung bei der Einführung von Impfstoffen aus verschiedenen Gründen von großer Bedeutung.
  • Neue Varianten ändern die Berechnung der Herdenimmunität: Es entstehen neue Varianten von SARS-CoV-2, die möglicherweise übertragbarer und resistenter gegen Impfstoffe sind. Dadurch sind wir im Wettlauf mit den neuen Varianten.
  • Die Immunität hält wohl nicht ewig an. Wie lange die Immunität von Infizierten und Geimpften dauert, ist derzeit noch nicht bekannt. In Anbetracht dessen, was über andere Coronaviren bekannt ist, scheint die infektionsbedingte Immunität mit der Zeit nachzulassen.
  • Ein weiteres Problem ist, dass je mehr Menschen geimpft sind, desto mehr verstärken diese ihre Kontakte zu anderen, so dass sich die Berechnung der Herdenimmunität ändert. Diese hängt auch davon ab, wie viele Menschen dem Virus ausgesetzt sind. Der Impfstoff ist nämlich nicht kugelsicher, wie oben schon gesagt.

 
Das Unterbinden einer Übertragung des Virus ist eine Möglichkeit zur Normalität zurückzukehren. Darüber hinaus besteht die Chance, schwere Krankheiten und den Tod zu verhindern. Der Impfstoff ist „eine absolut erstaunliche Entwicklung“, aber es ist unwahrscheinlich, dass die Ausbreitung vollständig gestoppt wird. Deshalb müssen wir uns überlegen, wie wir mit dem Virus leben können, sagt Flasche, ein Vakzin-Epidemiologe an der London School of Hygiene & Tropical Medicine.

Quelle:
Christie Aschwanden, Five reasons why COVID herd immunity is probably impossible, Nature 591, 520-522 (2021)

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Fettsäuren und Herzrhythmusstörungen

Vorhofflimmern entwickelt sich zu einem zunehmenden globalen Gesundheitsproblem und wird mit Herzversagen, Schlaganfall, kognitivem Abbau und Mortalität assoziiert. Für circa 20 % der Fälle macht man den Risikofaktor Adipositas verantwortlich. Im Rahmen einer US-amerikanischen Langzeitstudie (Cardiovascular Health Study/CHS) zur kardialen Gesundheit älterer Menschen wurde nun der Serumgehalt verschiedener freier Fettsäuren bestimmt, um mögliche Zusammenhänge mit einem Auftreten von Vorhofflimmern im höheren Lebensalter zu ermitteln. Die Autoren beschreiben einen protektiven Effekt insbesondere durch hohe Serumspiegel von GLA (γ-Linolensäure) für Vorhofflimmern.
 
Quelle:Pellegrini CN, Buzkova P, Lichtenstein AH, et al.: Individual non-esterified fatty acids and incident atrial fibrillation late in life. Heart 2021; doi: 10.1136/heartjnl-2020–317929

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Multimodale Therapie für Fibromyalgie-Patienten

Das Krankheitsbild der Fibromyalgie kennzeichnen generalisierte Körperschmerzen, Fatigue, Schlafstörungen, kognitive Beeinträchtigungen und Angst. Die Erkrankung ist mit einer Prävalenz von > 6 % ein typisches Krankheitsbild unseres Medienzeitalters. Mascarenhas und Kollegen (JAMA InternMed. 2021; 181: 104 -112) haben 224 Originalarbeiten mit knapp 30.000 Fällen von Fibromyalgie analysiert und hinsichtlich der Erfolge pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Therapien überprüft.
 
Die Effektgrößen für schmerzlindernde und Lebensqualität steigernde Medikamente war insgesamt gering. Vor allem Antidepressiva verbessern die Lebensqualität nicht. Der Referent der Studie Dr. med. Marco Krasselt (Med.Klin.III, Universitätsklinikum Leipzig) kommt zu dem Schluss, „dass die Behandlung eines Fibromyalgie-Patienten ein multimodales Behandlungskonzept samt körperlicher Aktivierung (wie Ausdauertraining) und z. B. kognitiver Verhaltenstherapie erfordert“.
 
Auf komplementärmedizinische oder alternative Ansätze wird bedauerlicherweise in der Arbeit nicht eingegangen.
 
Quelle: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2921; 146: 504–505

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Neue Forschungsergebnisse: Blutgruppen haben einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms

Eine im Januar veröffentlichte Studie untersuchte das Mikrobiom und Genom von knapp 9000 Probanden aus Kiel, Greifswald und Augsburg, um möglicherweise eine Verbindung zwischen der Genetik eines Menschen und der Zusammensetzung seines Mikrobioms festzustellen. Es wurden 38 auffällige Stellen im Genom (Loci) identifiziert, die auf eine solche Assoziation hinweisen. Das heißt, neben Umwelt- und Ernährungseinflüssen ist auch die Genetik des Menschen ein wesentlicher Faktor, der die bakterielle Besiedelung des Darms beeinflusst.

Wir wissen, dass die Bakterienzusammensetzung im Darm eine Rolle für das Immunsystem und die Entwicklung von Krankheiten spielt. Jetzt hat ein Forschungsteam aus Kiel erste Hinweise gefunden, dass auch Gene einen Einfluss haben, genauer die Gene, die die Blutgruppe (AB0-System) eines Menschen festlegen. Die Blutgruppen-Antigene (A, AB oder B) werden an der Oberfläche der roten Blutkörperchen gebildet, aber bei sogenannten „Sekretoren“ werden sie auch in den Darm abgegeben. Hier werden sie in Form von Zuckerresten als Nahrungsquelle beispielweise von Bakterien der Bacteroides-Gruppe genutzt und begünstigen somit das vermehrte Vorkommen dieser Bakterien. Etwa 20 % aller Menschen der Blutgruppen A, AB oder B und alle Personen der Blutgruppe 0 gelten als „Nicht-Sekretoren“ und haben dadurch eine abweichende Zusammensetzung ihres Mikrobioms. Frühere Studien zeigten, dass Menschen ohne diesen Sekretionsweg zum Beispiel besser vor Norovirus-Infektionen geschützt sind. Jetzt gilt es, den Einfluss dieser Blutgruppen-Antigene auf die verschiedenen Bakterien des Darms genauer zu erforschen.

Diese Erkenntnisse sollen helfen, Mechanismen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Anfälligkeit gegenüber bestimmten Durchfallerregern besser zu verstehen. Dadurch hofft man, gezieltere Ansätze zur Behandlung von Krankheiten, die auf einer gestörten Zusammensetzung des Darmmikrobioms beruhen, zu entwickeln.

Quelle:
Rühlemann, M.C., Hermes, B.M., Bang, C. et al. Genome-wide association study in 8,956 German individuals identifies influence of ABO histo-blood groups on gut microbiome. Nat Genet 53, 147–155 (2021).

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NT-proBNP und PLA2 als unabhängige Risikomarker für schweren COVID-19 Verlauf

NT-proBNP ist ein im Herzen gebildetes Peptidhormon, ein Anstieg im Blut weist auf eine Herzschädigung hin. Herzmuskelzellen enthalten überdurchschnittlich viele ACE2-Rezeptoren, welche die Eintrittspforte für SARS-CoV2 in die Zelle darstellen. Dadurch werden Herzmuskelzellen besonders stark von dem Virus befallen und geschädigt, Patienten mit Vorschädigungen des Herzens sind dementsprechend besonders gefährdet für einen schweren Verlauf der Erkrankung. Dieser Zusammenhang wird durch eine Publikation bestätigt, in der gezeigt wurde, dass Patienten mit hohen NT-pro BNP Spiegeln eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit bei einer COVID-19 Infektion haben.

Das sogenannte Entzündungsenzym Lp-PLA2 hat sich in einer Meta-Analyse im Lancet (2010; 375: 1536-1544) als zuverlässiger Marker für eine vaskuläre Entzündung und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwiesen. Im Zusammenhang mit einer COVID-19 Infektion gelten Gefäßentzündungen als Risiko für einen schweren Verlauf, hohe Spiegel von Phospholipase Enzymen sind assoziiert mit progressivem Verlauf der Erkrankung sowie auftretenden Komplikationen.

Quellen:

  • Gao et al „Prognostic value of NT-proBNP in patients with severe COVID-19“, Respiratory Research 2020
  • „Phospholipase enzymes as potential biomarker for SARS CoV-2 virus“, International Journal of Scientific and Research Publications, Volume 11, Issue 1, January 2021

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Omega-3-Fettsäuren für die kardiovaskuläre Prävention

Ob Omega-3-Fettsäuren für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirklich wirksam sind, wird in der Schulmedizin immer noch kontrovers diskutiert. Nun wurde die bisher größte Metaanalyse zu dem Thema veröffentlicht, die 40 Studien mit über 135.000 Teilnehmern umfasst und die dosisabhängige Wirkung der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA auf die Prävention von Chronic-Vaskular-Diseases (CVD) auswertet.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Supplementation mit EPA und DHA eine wirksame Lifestyle-Strategie zur Prävention von CVD ist und deren schützende Wirkung mit der Dosierung zunimmt. Damit wird die seit Jahren komplementärmedizinisch angewandte kardiovaskuläre Prävention mit Omega-3-Fettsäuren wissenschaftlich stärker untermauert.

Quelle:
Bernasconi AA, Wiest MM, Lavie CJ, Milani RV, Laukkanen JA. Effect of Omega-3 Dosage on Cardiovascular Outcomes: An Updated Meta-Analysis and Meta-Regression of Interventional Trials. Mayo Clin Proc. 2020 Sep 17:S0025-6196(20)30985-X. doi: 10.1016/j.mayocp.2020.08.034. Epub ahead of print. PMID: 32951855.