Wir lesen regelmäßig für Sie und halten die Ohren auf: Hier fassen wir für Sie Publikationen, Artikel und Meinungen aus der medizinischen Medienwelt zusammen. Alles, was wichtig ist, neugierig oder nachdenklich macht – rund um die Themen Gesundheit, Medizinforschung, Labordiagnostik und Therapeutik.

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Astaxanthin moduliert das Darmmikrobiom bei Jüngeren anders als bei Älteren

Im jungen Mikrobiom verbesserte Astaxanthin die mikrobielle Vielfalt und förderte ein hochverknüpftes Netzwerk, das gleichzeitig das Acetat/Propionat-Verhältnis erhöhte und die Produktion von neuroaktiven Metaboliten wie Serotonin begünstigte.
 
Im Gegensatz dazu hat Astaxanthin die Diversität des Mikrobioms bei älteren Probanden allgemein nicht erhöht, sondern eine gezielte Umstrukturierung des Mikrobioms ausgelöst: die Anreicherung von gesunden Bakteriengruppen, die Reduktion potenzieller Pathobionten und die Förderung der ökologischen Nischenspezialisierung. Vor allem steigert Astaxanthin die Buttersäuresynthese und leitet den Tryptophan-Stoffwechsel zu neuroprotektiven und antioxidativen Zwischenprodukten wie 3-Hydroxyanthranilsäure und Niacin um.
 
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in Food Bioscience, zeigt, dass Astaxanthin als altersempfindlicher Ernährungsmodulator des Darmmikrobioms wirkt. Astaxanthin besitzt die Fähigkeit, Wirkungen altersgerecht anzupassen. Einerseits wird die mikrobielle Integration bei Jugendlichen gefördert, während im Alter die funktionelle Spezialisierung verbessert wird und wichtige gesundheitsbezogene Metaboliten erhalten werden. Das unterstreicht sein erhebliches Potenzial für die Entwicklung präziser Ernährungsstrategien zur Förderung eines gesunden Alterns.
 
Literatur:
Ren P, Qi H, Wei B, Qin W, Liu M: Astaxanthin as an age-adapted dietary modulator of gut microbiota and metabolism: Towards precision nutrition strategies for healthy aging. Food Bioscience, Volume 74, December 2025, 107968

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Nicht Pilze, sondern der Ethanol-Stoffwechsel von Darmbakterien ist Auslöser des Eigenbrauer-Syndroms!

Das Eigenbrauer-Syndrom, Auto-Brewery-Syndrom (ABS), ist eine sehr seltene Erkrankung, bei der der Körper durch Hefepilze oder Bakterien im Darm aus kohlenhydratreicher Nahrung selbst Ethanol produziert. Betroffene sind also betrunken, ohne tatsächlich Alkohol getrunken zu haben. In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde bei einer überwachten Kohorte von Patienten mit dokumentiertem ABS sowie deren nicht betroffenen Haushaltsangehörigen eine Analyse des Darmmikrobioms vorgenommen. So konnte gezeigt werden, dass die Kulturen im Darmmikrobiom von Patienten mit ABS signifikant mehr Ethanol produzieren als diejenigen ihrer asymptomatischen Haushaltsangehörigen.
 
Die Wissenschaftler widerlegten zudem, dass die überwiegenden, für ABS bei den meisten Betroffenen verantwortlichen Pathobionten nicht Pilze, sondern Bakterien aus der Gruppe der Proteobakterien sind. Außerdem sind bakterielle Fermentationswege von Ethanolamin, Acetylphosphat und Pyruvat zu Ethanol bei der Mehrheit der ABS-Patienten überrepräsentiert, was eine Erklärung für die pathologische Ethanol-Produktion durch deren Darmmikrobiom während symptomatischer Schübe liefert.
 
Weiter ergab die Studie, dass Mikrobiom-Proben während Schüben eine deutliche Anreicherung von Genen aufwiesen, die an der Biosynthese von Menaquinol und Demethylmenaquinol beteiligt sind, welche für anaerobe, ATP-erzeugende Redoxreaktionen essenziell sind. Wenn diese Genanhäufung mit einer hohen Anzahl an Elektronenakzeptoren zusammenkommt, könnte die Ethanol-Produktion pathologisch ansteigen.
 
In Remissionsproben fand sich dagegen eine signifikante Anreicherung von Genen des TCA-Zyklus aus acetatproduzierenden Bakterien, was auf einen Abbau von Ethanol durch acetatbildende Bakterien hindeutet und die Symptome verbessert. Diese Ergebnisse könnten in Zukunft therapeutisch relevant sein. Durch eine Stuhltransplantation ließ sich die erfolgreiche Behandlung eines ABS-Patienten belegen. Diese Behandlung ging mit einer deutlichen Reduktion der bakteriellen Häufigkeit von Proteobakterien einher.
 
Andere Studien haben bei Diabetes-Patienten geringfügig erhöhte mikrobielle Ethanol-Produktion im Darm nachgewiesen und diese mit der Pathogenese der Lebersteatose und deren metabolischer Dysfunktionen in Verbindung gebracht. Die Ethanol-Mengen in diesen Fällen sind so gering, dass sie vollständig von der Leber metabolisiert werden.
 
Dies wirft die weitergehende Frage auf, wie verbreitet die mikrobielle Ethanol-Produktion im Darm in der Allgemeinbevölkerung ist und wie weitreichend pathologische Folgen dadurch sein könnten.
 
Literatur:
Cynthia L. Hsu, Shikha Shukla, Linton Freund, Annie C Chou et al: Gut microbial ethanol metabolism contributes to auto-brewery syndrome in an observational cohort. Nature Microbiology 2025

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Niedriger Alpha-Klotho Spiegel begünstigt Bauchfett

Negative Assoziation von Alpha-Klotho im Serum zum viszeralen Fettgewebe beim abdominalen Übergewicht
 
Die Bedeutung von Alpha-Klotho bei diversen Stoffwechselprozessen (Energiestoffwechsel, Herz-Kreislauf-Prozesse, Zuckerstoffwechsel) und altersbedingten Erkrankungen ist teilweise gut untersucht. Neuere Studien legen nahe, dass Alpha-Klotho eine Schlüsselrolle bei der Hemmung der Insulin-Signalübertragung spielt und den Glykolipid-Stoffwechsel sowie die Energiebalance im zentralen Nervensystem günstig beeinflusst. Alpha-Klotho sagt man einen protektiven Effekt gegenüber Herz-Kreislauf-Erkrankungen, diabetesassoziierten Komplikationen, Adipositas und nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung nach. Das macht den Parameter zu einem potenziellen therapeutischen Ziel bei Stoffwechselstörungen (Liu and Chen Diabetes Metab Syndr 2023;17:102854).
 
Eine Querschnittsanalyse auf Basis der Daten der NHANES 2011-2016 zeigte, dass höhere Alpha-Klotho-Spiegel mit einer geringeren Fläche des viszeralen Fettgewebes und einer reduzierten Häufigkeit von abdomineller Adipositas einhergehen. Man beobachtete eine signifikante negative Assoziation, die Kurven flachten jedoch ab, sobald die Klotho-Spiegel über 1155 pg/ml anstiegen, möglicherweise wegen eines Sättigungseffektes.
 
Literatur:
Yingyi Li, Xiaoqiang Liu, Xiaodong Zhu, Chanchan Lin, Xinqi Chen et al. Association of serum Klotho concentrations with abdominal obesity among middle-aged adults in the US: Evidence from NHANES 2011–2016. Nutrition Vol. 136, August 2025, 112809.

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Epigenetisches Gedächtnis der SARS-CoV-2 mRNA-Impfung in den Makrophagen schützen vor Infektionen

Der im März 2025 veröffentlichte Artikel der Universität und dem Universitätsklinikum Köln „Persistent epigenetic memory of SARS-CoV-2 mRNA vaccination in monocyte-derived macrophages“ befasst sich mit den langfristigen Auswirkungen der mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 auf das Immunsystem. Die Wissenschaftler untersuchten das anhaltende epigenetische Gedächtnis, das durch die mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 in den aus Monozyten abgeleiteten Makrophagen entsteht.
 
Die Studie zeigt, dass diese Makrophagen nach der Impfung signifikante epigenetische Veränderungen aufweisen, die die Genexpression beeinflussen. Diese epigenetischen Modifikationen könnten eine wichtige Rolle bei der langfristigen Immunität spielen und die Fähigkeit der Makrophagen verbessern, um auf zukünftige Virusinfektionen zu reagieren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mRNA-Impfstoffe nicht nur eine kurzfristige Immunantwort hervorrufen, sondern auch langfristige Gedächtnismechanismen in Immunzellen aktivieren.
 
Insgesamt legt der Artikel nahe, dass diese dauerhaften Veränderungen für den Schutz gegen SARS-CoV-2 und möglicherweise andere pathogene Keime von Bedeutung sind.
 
Literatur:
Simonis A, Theobald SJ, Koch AE, Mummadavarapu M, Mudler JM et al.: Persistent epigenetic memory of SARS-CoV-2 mRNA vaccination in monocyte-derived macrophages. Molecular Systems Biology, 2025 Vol 21/4:341-360

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Spike Protein im Kopf

Spätfolgen einer Infektion mit SARS-CoV-2 sind typischerweise neurologische Beschwerden wie dauerhafte Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, die bei bis zu 10 % der Infizierten auftreten. Bisher war unklar, woher diese Symptome rühren. Eine mögliche Erklärung für diese neurologische Effekte bei Long- und Post-COVID liefern nun Forschungsergebnisse aus München, die das Fachjournal „Cell Host & Microbe“ veröffentlichte.
 
Die Wissenschaftler konnten noch Jahre nach einer Corona-Infektion Spike Proteine in Hirnhäuten und Knochenmark des Schädels von Mäusen nachweisen, die als Ursache chronischer Entzündungen im ZNS in Frage kommen. Diese Gewebe sind reich an ACE-2 Rezeptoren, an die das Spike Protein bindet. Auch der Effekt einer Impfung mit mRNA von BioNTech/Pfizer wurde untersucht, dieser verminderte die Anreicherung und die assoziierte Entzündung im Gehirn von Mäusen um ca. 50 %, hat also demnach einen protektiven Effekt für die Entstehung von Long- und Post-COVID.
 
Originalpublikation:
Rong, Z., Mai, H., Ertürk, A. et al. (2024). Persistence of spike protein at the skull-meninges-brain axis may contribute to the neurological sequelae of COVID-19. Cell Host & Microbe.

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Kinderkrankheiten auf dem Vormarsch

WHO berichtet, dass sich Masern weltweit stark ausbreiten
Masern sind eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die schneller übertragen wird als zum Beispiel das Grippevirus. Masern gilt zwar als Kinderkrankheit, doch auch Erwachsene können sich anstecken. Die Anzahl der Ansteckungen mit Masern ist einer Studie der WHO und CDC zufolge im vergangenen Jahr weltweit massiv angestiegen. Hauptgrund dafür sei nach den Erhebungen eine „unzureichende Immunisierung“. Besonders Kleinkinder unter fünf Jahren sind durch Masern gesundheitlich stark gefährdet.
 
Offensichtlich ist die Zahl der Ansteckungen vor allem in Ländern mit besserer Gesundheits- und Ernährungsversorgung hoch gegangen, dort wo eigentlich das Risiko an einer Maserninfektion zu versterben geringer ist. Nur wenn 95 % der Kinder die komplette Schutzimpfung (erste und zweite Dosis) erhalten, kann man Ausbrüche verhindern. Weltweit liegt die Anzahl der Geimpften deutlich darunter. Das liegt nicht nur an einer Impfmüdigkeit, sondern vor allem an Kriegen und Vertreibungen, die derzeit stetig zunehmen. Fakt ist aber, dass Masernfälle auch in Deutschland zunehmen.
 
Nachlesen im Web: Measles cases surge worldwide, infecting 10.3 million people in 2023
 
Anstieg Scharlachfälle bei Kindern in Deutschland um das Vierfache
Scharlach ist eine durch Streptokokken verursachte bakterielle Infektionskrankheit bei Kindern. In einer Pressemitteilung weist die DAK auf die stark gestiegenen Scharlachfälle in den letzten fünf Jahren hin. Ärzte gehen von einem sogenannten Nachholeffekt nach der Corona-Pandemie aus. Dazu werteten Forscher von der Uni Bielefeld und der Forschungsdienstleister Vandage die Daten von 800.000 Kindern und Jugendlichen aus: 2023 traten viermal so viele Fälle auf als fünf Jahre zuvor. Die pandemiebedingte Isolierung vermied für den Moment Infekte, hatte aber negative infektiologische Folgen in den darauffolgenden Jahren.
 
Nachlesen im Web: DAK Gesundheit – Viermal mehr Kinder mit Scharlach in Deutschland

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Nicht nur virale Infekte, auch die COVID-19-Impfung birgt ein Risiko für psychiatrische Nebenwirkungen

Es mehren sich Hinweise, dass ein Zusammenhang zwischen COVID-19 und psychischen Erkrankungen besteht, da die häufigsten Symptome der COVID-19-Pandemie Depression/Angst, psychotische Störungen und kognitive Beeinträchtigungen („Brain Fog“) waren. Innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten waren ein Fünftel der Patienten nach einer COVID-19-Infektion davon betroffen. Weitere Untersuchungen legen nahe, dass nicht nur virale Infektionen, sondern auch COVID-19-Impfungen mit einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen einhergehen. Nach Corona-Impfungen konnte man dieses Phänomen bisher noch nicht so klar herausarbeiten.
 
In der vorliegenden Studie untersuchten Wissenschaftler die psychiatrischen Nebenwirkungen bei über 2.000.000 koreanischen Teilnehmern zwei Wochen und drei Monaten nach Impfung/bzw. ohne Impfung. Die kumulierte Inzidenz von Depressionen, Angststörungen, stressbedingten und somatoformen Störungen, Schlafstörungen und sexuellen Störungen war drei Monate nach der COVID-19-Impfung in der Impfgruppe höher als in der nicht geimpften Gruppe. Schizophrenie und bipolare Störungen zeigten jedoch eine niedrigere kumulierte Inzidenz in der Impfgruppe als in der nicht geimpften Gruppe.
 
Grund dafür scheint ein Einfluss auf das Serotonin-System zu sein. Bekannt ist, dass Serotonin auch ein wichtiger Regulator der Immunantwort und entzündlicher Prozesse sowohl zentral als auch peripher ist. Die Autoren erklären dies so, dass die Nebenwirkungen nach der COVID-19-Impfung mit der proinflammatorischen Wirkung der Lipidnanopartikel oder der verabreichten mRNA sowie den proinflammatorischen Effekten der produzierten Antigene – dem Spike-Protein und/oder dessen Peptidfragmenten – zusammenhängen könnten. Die COVID-19-Impfung aktiviert proinflammatorische Zytokine wie Interleukin (IL)-1, IL-6 und Tumornekrosefaktor-α, was mit psychischen Auffälligkeiten vereinbar erscheint.
 
Die Autoren empfehlen daher besondere Vorsichtsmaßnahmen, um zusätzliche COVID-19-Impfungen bei Populationen, die für psychiatrische Nebenwirkungen anfällig sind, zu verabreichen.
 
Literatur:
Psychiatric adverse events following COVID-19 vaccination: a population-based cohort study in Seoul, South Korea: Hong Jin Kim et al, Molecular Psychiatry (2024) 29:3635–3643;

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Influenzaimpfung bei älteren Menschen

Die Immunität gegen Influenza nimmt mit dem Alter stark ab und wird zunehmend heterogener. Die Autoren einer aktuellen Publikation haben 234 geimpfte Personen, die älter als 65 Jahre waren und mit dem Impfstoff FluAd geimpft wurden, über zwei unabhängige Saisons hinweg longitudinal (bis zu fünf Zeitpunkte) untersucht.
 
Umfangreiche Analysen auf Systemebene von Multiomics-Datensätzen ergaben, dass man in der Reaktion zwischen „Respondern“ und „Poor Respondern“ unterscheiden kann. Hohe Plasma-Konzentrationen von Interleukin 15 vor der Impfung sind charakteristisch für „Poor Responder“, ebenso wie die deutlich geringeren Konzentrationen langkettiger Fettsäuren im Blut gegenüber Respondern. Diese langkettigen Fettsäuren wirken entzündungshemmend und unterstützen dadurch die Entwicklung einer guten Immunantwort. Ältere Menschen leiden häufig an Begleiterkrankungen, die mit chronischen Entzündungsprozessen (Silent Inflammation) einhergehen und auf diesem Weg die adäquate Reaktion auf den Impfstoff hemmen können.
 
Die Autoren leiten daraus ab, dass eine optimierte Versorgung mit langkettigen Fettsäuren, wie sie z. B. in Fischöl oder Nüssen enthalten sind, eine effektive Möglichkeit sein könnte, besonders bei alten Menschen die Immunantwort auf Grippeimpfungen – und letztlich damit auch auf das Virus selbst – zu verbessern.
 
Quelle:
Kumar S, Zoodsma M, Nguyen N, Pedroso R, Trittel S, Riese P, Botey-Bataller J, Zhou L, Alaswad A, Arshad H, Netea MG, Xu CJ, Pessler F, Guzmán CA, Graca L, Li Y. Systemic dysregulation and molecular insights into poor influenza vaccine response in the aging population. Sci Adv. 2024 Sep 27;10(39):eadq7006.

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Neue Einblicke in die Zusammenhänge zwischen Vitamin D, Darmmikrobiom und Krebsimmunität

Das Zusammenspiel zwischen Ernährung, Darmmikrobiom und Immunsystem wird zunehmend als wichtige Komponente unserer Immunität, auch gegen Krebs, angesehen. Studien an Mäusen und Menschen zeigten bereits, dass kommensale Bakterien die Immunreaktionen gegen Krebs beeinflussen und sich zudem positiv auf die Effektivität der Checkpoint-Inhibitor-Therapie auswirken können. Die Wirtsfaktoren, die es den im Darm lebenden Mikroben ermöglichen, die Krebsimmunität zu beeinflussen, sind jedoch nach wie vor nicht bekannt.
 
Eine aktuelle Studie von April 2024 zeigte, dass eine erhöhte Vitamin D Verfügbarkeit, entweder durch eine genetische Deletion von Gc oder durch eine Vitamin D Supplementierung, zu einer Veränderung des Darmmikrobioms führt, die mit einer verbesserten Krebsimmunität einhergeht. Genauer gesagt, scheint Vitamin D das Vorkommen und/oder die metabolischen Eigenschaften von Bacteroides fragilis zu beeinflussen, ein anaerobes, gram-negatives Bakterium, welches Teil der typischen Mikrobiota bei Menschen und Mäusen ist.
 
Bemerkenswerter Weise reichte bei Mäusen eine fäkale Mikrobiota Transplantation (FMT) aus, um ihnen eine erhöhte immunvermittelte Tumorresistenz zu verleihen. Voraussetzung war jedoch eine kontinuierliche Verfügbarkeit von Vitamin D in der Nahrung. Die genauen Mechanismen sind zwar unklar, jedoch scheint Vitamin D Auswirkungen auf die intestinalen Epithelzellen zu haben, sodass die Mikrobiom-Zusammensetzung verändert wird. So konnte man wiederum die Krebsimmunität der Mäuse steigern.

Die Vitamin-D-abhängigen Antworten der Darmepithelzellen führen vor allem zu einem Anstieg bzw. einer Modulation von B. fragilis. Inwiefern B. fragilis die Krebsimmunität steigern kann ist nicht bekannt, die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten aber darauf hin, dass eine MyD88-abhängige Signalkaskade und die Produktion von Typ-I-IFN sowie eine cDC1-abhängige T-Zell-Antwort involviert sind.
 
Auch beim Menschen ist eine Vitamin D-Supplementierung mit einer Erhöhung der Bacteroides Spezies assoziiert. Es ist allerdings unklar, ob diese Effekte auch negative Folgen haben – Bacteroides fragilis wurde in einer weiteren Studie als potentiell pathogen beschrieben. In den Maus-Versuchen konnte man jedoch keine Darmentzündung feststellen und in anderen Studien wurde B. fragilis als protektiv für den Darm beschrieben.
 
Dazu führte man viele Studien durch, um die Verbindung zwischen Vitamin D und Krebsrisiko zu untersuchen. Eine Meta-Analyse von fast 1,5 Millionen Personen ergab, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einem erhöhten Krebsrisiko korreliert ist. Vitamin D ist in der Lage, die Vermehrung von Krebszellen zu verringern, die Apoptose zu fördern, die Angiogenese zu reduzieren und die pro-tumorigene Aktivität von krebsassoziierten Fibroblasten zu dämpfen.
 
Die Zusammenhänge aus Nahrungs-Vitamin D, Darmmikrobiom und Krebsimmunität sind allerdings so komplex und schwierig zu erforschen, dass viele weitere Arbeiten wie Längsschnittstudien am Menschen notwendig sind, um zu verstehen, inwieweit sich die Erkenntnisse überschneiden und die Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten zu bewerten.
 
Quelle:
Fabien Franco, Kathy D. McCoy, Microbes and vitamin D aid immunotherapy, Science, 384, 6694, (384-385), (2024).

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Hochverarbeitete Lebensmittel erhöhen das Risiko für Multimorbidität

Bisher war nicht belegt, dass der Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) mit einer höheren Inzidenz von Multimorbidität verbunden ist. Diese Lebensmittel enthalten oft hohe Mengen an Zucker, Salz, Fett und künstlichen Zusatzstoffen. Frühere Studien haben bereits einen Zusammenhang zwischen dem Konsum dieser Lebensmittel und einzelnen Krankheiten festgestellt. Eine nun publizierte multinationale Kohortenstudie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln und dem Risiko, an mehreren Krankheiten gleichzeitig zu erkranken, insbesondere an Krebs und kardiometabolischen Erkrankungen (wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes).
 
Einbezogen wurden 266 666 Probanden (60 % Frauen), die zum Zeitpunkt der Rekrutierung frei von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes waren. An der Studie „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)“ beteiligten sich Teilnehmer aus sieben europäischen Ländern. Faktoren wie Alter, Geschlecht, körperliche Aktivität und sozioökonomischer Status wurden berücksichtigt. Ziel war es zu ermitteln, ob der Verzehr ultrahochverarbeiteter Lebensmittel das Risiko erhöht, gleichzeitig an Krebs und kardiometabolischen Beschwerden zu erkranken (Multimorbidität).
 
Das Ergebnis zeigt, dass man einen hohen Konsum von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln mit einem erhöhten Risiko für Multimorbidität in Verbindung bringen kann im Vergleich zu Personen, die weniger ultrahochverarbeitete Lebensmittel konsumierten. Damit sehen die Autoren in der Reduzierung des Konsums von ultrahochverarbeiteten Lebensmitteln eine wichtige Maßnahme zur Prävention von Multimorbidität.
 
Originalpublikation:
Cordova R, Viallon V, Fontvieille E, Peruchet-Noray L, Jansana A, Wagner KH, Kyrø C, Tjønneland A, Katzke V, Bajracharya R, Schulze MB, Masala G, Sieri S, Panico S, Ricceri F, Tumino R, Boer JMA, Verschuren WMM, van der Schouw YT, Jakszyn P, Redondo-Sánchez D, Amiano P, Huerta JM, Guevara M, Borné Y, Sonestedt E, Tsilidis KK, Millett C, Heath AK, Aglago EK, Aune D, Gunter MJ, Ferrari P, Huybrechts I, Freisling H. Consumption of ultra-processed foods and risk of multimorbidity of cancer and cardiometabolic diseases: a multinational cohort study. Lancet Reg Health Eur. 2023 Nov 14;35:100771.